Einladung zum Familientag!

Am kommenden Sonntag, den, 12. Mai, findet in Kellinghusen (Mittel-Holstein), der erste Familientag des Gloygeschlechts statt. Sie und Ihre Familie sind hiermit herzlichste zur Teilnahme eingeladen.

Die Festteilnehmer versammeln sich um 2 ˝ Uhr im großen Saal yon "Stadt Hamburg", am Markt Kellinghusen. Um eine übersicht der Teilnehmer zu gewinnen, ist eine vorherige, rechtzeitige Anmeldung dringend erbeten an den Kreisbauernführer Claus Gloy in Lokstedt, über Kellinghusen, Mittel-Holstein.

Das Geschlecht Gloy in den verschiedenen Schreibarten Gloy, glöye, Gloye, Glöyer, Gloyr, Gloyer ist wohl eines der ältesten und bei weitem zahlreichsten im Kirchspiel Kellinghusen. Gleich zu Beginn der Kirchenbücher um 1643 lassen sich eine ganze Reihe Familien zweige in den einzelnen Dorfschaften des Kirchspiels feststellen. Die ältesten linien sind schon um 1599 in Lokstedt. Rade, Willenscharen, Overndorf, Fitzbek, Quarnstedt und Sarlhusen seßhaft nachweisbar.

Doch weit über das Kirchspiel Kellinghusen hinaus ist der Name Gloy damals schon verbreitet. So nennt das älteste "Register des amptes tho seegberge van dew Jarv l537" eine Hans Gloy thom Hagenn im Karspeel tho Bramstede, das älteste Geldamtsregister des Kreises Rendsburg vo 1602 Drewes Gloye in Brokstedt. Auch in Sude bei Itzehoe ist ein Gloyer zweig seit über 300 Jahren ansässig, Während unter diesen Zweigen durch offensichtlich ist, ist eine Verbindung mit Dithmarscher Gloyer noch nicht herzustellen.

Mit deutschem Gruß!

Berthold Greve

Hamburg 4. Eimsbüttelerstraße 23 a

b/Arnoldi.

 

 

 

 

 

CHRONIK

UND

NACHRICHTEN

DER SIPPE

GLOY

 

 

 

Heft 1. Januar 1937.

CHRONIK UND NACHRICHTEN DER SIPPE GLOY.

 

Familientag.

Im Frühling dieses Jahres und zwar am Sonntag, den 9. Mai, wird in Kellinghusen der zweite Gloytag stattfinden.

Der Zweck dieses wie aller weiteren Familientage, die fortan in regelmäßiger Folge alle zwei Jahre im Frühling abgehalten werden sollen, ist es vor allem, zweierlei Dinge zu wecken, zu pflegen und zu fördern. Erstens das Gefühl der Zusammen gehörigkeit der einzelnen Mitglieder der Sippe zueinander, dieses starke Familienbewußsein, das in früheren Jahrhunderten unsweifelhaft bestanden hat und das einen der Grundzüge unsereer holsteinischer Geschichte ausmacht, dieses Familienbewußsein aber auch, das seit der Mitte des vorigen Jahrunderts mit dem immer stärker werdenden Aufkommen von industrie und Verkehr und der damit verbundenen Abwanderung vieler Familiertzweige in die Großstädte im Schwinden begriffen gewesen ist und das erst durch den großen Umbruch unserer Tage neue Kraft bekommen hat. An uns ist es, diese neue Kraft zu nutzen zum Wohle der Sippe als einem Bausteine unseres deutschen Volkes.

Und zweitens soll neben dieser Pflege der Zusammen gehörigkeit stehen die der Zugehörigkeit zur alten Heimat, zu dem Flecken Erde, den unsere vorfahren in harter Arbeit urbar gemacht und bebaut haben, auf dem sie Verlobung Hochzeit, Kindtaufen und Gildefeste gefeiert, aber auch Krankheiten Seuchen, Feuersbrunst, Wassersnot und arge Kriegszeiten erlebt und erlitten haben, und in dem sie selber zur letzten Ruhe gebettet liegen.

So soll und auf allen Familientagen heitere Geselligkeit, holsteinische Art und niederdeutscher Geist Vordergrund stehen.

Familienchronik.

Zwischen diesen Familientagen und als wichtigstes Mittel, das auf ihnen Gewonnene auszuarbeiter, sowie als Mittel, die Kenntnis von der Geschichts der Sippe jedem einzelnen Familienmitglied zugänglich zu machen, soll möglichst alle Vierteljahr eine kleine Veröffentlichung, deren erstes Heft hier vorliegt, erscheinen. In ihr wird fortlaufend sowohl über den Stand der Arbeit als auch über die Geschichte der Familie selber berichtet werden. Fernerhin sollen alle für die Weiterarbeit notwendigen oder nützlichen Angelegenheiten besprochen und Fragen, die aus der Sippe heraus gestellt werden oder diese betreffen, beantwortet werden. Und schließlich wird, allerdings noch nicht in diesem vorliegenden Heft, eine besondere Spalte den in jüngster Zeit stattgehabten Familienereignissen wie Taufe, Verlobung, Heirat und Tod gewidmet sein. Hierfür ist jedoch notwendig, daß es fester Brauch wird, solche Familienereignisse dem Sachbearbeiter des Stammbaumes mitzuteilen.

Wie die Ausgestaltung der einzelnen Veröffentlichungen etwa gedacht ist, soll im nachfolgenden gezeigt werden.

Die ältesten bisher bekannten Glöys in Holstein.

Obschon die wichtigste Quelle für die Familienforschung die Kirchenbücher sind, von denen später noch ausführlich zu berichten ist, finden sich die ältesten Angaben über den Namen Gloy dennoch in anderen Urkunden. Denn ehe man daran dachte, im Pfarrhause Aufzeichnungen über das Leben der Gemeindemitglieder zu machen, wurden in klösterlichen, gräflichen und königlichen Amtsstuben Aufzeichnungen gemacht, die, obwohl ganz anderer Art als die Eintragungen der Kirchenbücher, für die Kenntnis unserer Ahnen nicht weniger bedeutungsvoll sind.

Es handelt sich hier vor allem um die Aufzeichnung von Steuern und anderen Abgaben, die an den Landesherrn oder die von ihm mit der Einziehung derselben beauftragte Stelle zu entrichten waren. Und so finden wir denn in Tonnyes Rantzouen Register von der jarlyken Upboringe, Broke unde Uttgifft vomd yar XVO VIII der Vogedye Steynborchg (Tönnies Rantzau’s Register von den jährlichen Einnahmen, Strafgeldern und Ausgaben vom Jahre 1508 in der Vogtei Steinburg) to Monsterdorppe, also zu Münsterdorf, einen palbell gloier genannt. Etwas später wird er als im Karspell tho Itzehoe wohnhaft angegeben. Dieser 1508 genannte Paul Gloyer dürfte nicht nur der bis zum augenblicklichen Stand der Forschungsarbeit bekannte älteste Namensträger der Sippe sein, sondern sein Name und sein Wohnsitz sagt uns noch mehr.

Schon auf dein ersten familientag am 12. Mai 1935 wurde die Frage aufgeworfen, weiche Schreibweise des heute in so vielen Abarten vorkommender Familiennames die richtigere oder, besser gesagt, die ältere wäre durch palbell gloier wird diese Frage beantwortet. Namensträger bis zum heutigen Tage diese ältere Schreibform Gloyer beibehalten (das y drückt nur ein langes i aus, einen Laut, ger früher durch doppeltes ii, dann ij und schließlich y mit darübergestellten Punkten dargestellt wurde), schleift sich die ursprüngliche Schreibform nach Osten hin, insbesondere im Kirchspie1 Kellinghusen, auf Gloie oder Gloye ab. Um 1750 ist auch das e am Ende gefallen und wird der Familienname dann fast ausnahmslos Gloy geschrieben. Interessant ist, daß ein Familienzweig, der, im Kirchspiel Kellinghusen in den Kirchenbüchern vorher Gloy geschrieben, um 1760 nach Lehmkuhl im Kirchspiel Münsterdorf kommt, sich bald darauf Gloyer schreibt und diesen Namen noch heute dort und in Hamburg führt.

Wenn sowohl für den ersten Familientag als auch für diese Veröffentlichung die jüngere Schreibweise des Namens der Sippe gewählt worden ist, so nur deshalb, weil von den heute lebenden Familienmit gliedern sich die überwiegende Mehrzahl Gloy schreibt. Gemeint sind aber bei fernerem Gebrauch der Schreibform Gloy stets sowohl die Gloyers als auch die Gloiers, die Gloers, die Gloes, die Gloies, die Glois und schließlich die Gloys selber.

Eine genaue Erklärung des Familiennamens soll erst in einem späteren Heft gebracht werden. Schon jetzt jedoch sei mitgeteilt, daß die Erklärung des Namens aus dem eines Berufes, nämlich dem des Schmiedes - des Meisters Glüsing, wie er auch heute noch in einigen Teilen Niederdeutschland genannt wird -wohl die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat.

Doch um auf palbell gloier zurückzukommen, auch sein Wohnsitz gibt uns gewisse Vermutungen auf. In Rethwisch bei Münsterdorf besteht seit Beginn der Kirchenbücher, also seit dreihundert Jahren, nachweislich ein Gloyerstammhof und ist heute in Händen von Johannes Gloyer, bei dessen Vorfahren regelmäßig der Vorname Paul wiederkehrt. Hängt diese Linie mit palbell gloier zusammen, stellt sie die direkte Fort setzung dar, ist gar vielleicht der Rethwischer Hof noch derselbe, den 1508 palbell gloier innehatte? Und weiter. Die heute und nachweislich seit etwa zweihundertfünfzig Jahren in Heiligenstedten seßhafte Gloyerlinie kam damals von Herfarth, stammt aber nicht von dorther. Ist es nicht möglich, daß auch sie von Paul Gloyer abstammt und von Rethwisch als jüngerer Zweig über Herfarth nach Heiligenstedten kam? Dies alles sind Fragen, die erst nach einer gründlichen und weit ausholenden Forschungsarbeit gelöst werden können.

Eines sei jedoch schon heute dem beim Lesen dieser Zeilen sich erhebenden Einwände, daß doch Rethwisch zum Kirchspie1 Neuenbrook gehöre und jener palbell gloier als im Kirchspiel Itzehoe wohnhaft genannt werde, mithin nicht der Rethwischer Stammhof und der älteste Gloyer von 1508 in eine Linie gebracht werden könnten, entgegnet. 1508 ist ein Datum, das noch in die vorreformatorische, also katholische Zeit zurückgeht. Und damals sah die kirchliche Aufteilung des Landes etwas anders ausals heute. Das Kirchspiel Münsterdorf bestand überhaupt noch nicht, sondern wurde erst selbständige Gemeinde. Zur Zeit palbell gloiers war es noch nach Itzehoe eingepfarrt. Die beiden Wohnortsbezeichnungen tho Monsterdorppe und im Karspell tho Itzehoe widersprechen sich also nicht. Ob jedoch auch Rethwisch oder wenigstens der Teil, in dem sich der Gloyersche Stammhof befindet, damals auch nach Itzehoe eingepfarrt war, konnte noch nicht festgestellt werden, ist aber durchaus möglich, da damals z.B. auch Kronsmoor im heutigen Kirchspiel Breitenberg nach Itzehoe gehörte.

Doch nicht-nur die kirchliche Aufteilung des Landes war anders als heute, auch die staatliche hat im Laufe der Jahrhunderte starke Änderungen erfahren. So ragte das alte Amt Rendsburg weit über den heutigen Kreis Rendsburg hinaus in den jetzigen Kreis Steinburg, nämlich bis Vorbrügge, Mühlenbarbek und Lohbarbek. Und so müssen wir in den alten Steuerregistern des Amtes Rendsburg suchen, wenn wir feststellen wollen, ob die im Kirchspiel Kellinghusen so zahlreichen Gloys auch früher schon dort gesessen haben.

Gerade in den letzten Monaten sind durch einen begrüßenswerten Austausch zwischen Deutschland und Dänemark die bisher in den Staatsarchiven Kiel und Kopenhagen befindlichen und jeweils das andere Land betreffenden Urkunden und Akten in die alte Heimat zurückgekommen. Während das bisher älteste Rendsburger im Geldamtsregister im Staatsarchiv Kiel vom Jahre 1606 stammte und die älteren Archivalien sich im Staatsarchiv Kopenhagen befanden, können wir heute auch die Amtsrechnungen des alten Amtes Rendsburg von 1538, 1540, 1541 und 1589 in Kiel einsehen.

In dem ältesten Amtsregister, dem von 1538, finden wir denn auch unter den Hufnern des Kellinghußer Karspells zu Locstede Hans Gloie und zu Rensingh Drewes Gloie. Während wir den Vornamen Drewes hundert Jahre später noch einmal in Rostorf erwähnt finden,'er aber dann ausstirbt, ist der Vorname Hans in der Sippe Gloy - wie später noch gezeigt wird - der bei wietem vorherrschende. Wir dürfen also ruhig vermuten, daß dieser Hufner Hans Gloie zu Lockstedt, der vor vierhundert Jahren dort gelebt hat, wenn auch nicht den Stammvater der Gloys, der in weit älterer Zeit zu suchen ist, darstellt, wohl aber einen direkten Vorfahren vieler von ihnen.

Eine ausführliche Darstellung der ältesten Gloys kann erst gegeben werden, wenn die Akten der alten Ämter Rendsburg, Steinburg und Segeberg durchgearbeitet sind, die sich heute gesammelt im Staatsarchiv in Kiel befinden, wenn das Archiv des Klosters Itzehoe nur einigermaßen gesichtet und das der Gutsherrschaft Breitenburg, das eine nahezu unerschöpfliche Fülle von Material enthält, nur in etwas durchgesehen ist.

Während der heute in Dithmarschen recht zahlreiche Zweig, der Sippe Gloy erst nach 1650 dort seßhaft wird und wahrscheinlich aus der Kellinghusener Gegend stammt, kommen in der Eutiner Gegend schon sehr früh Namensträger der Sippe Gloy vor. Über beide Gruppen soll erst später berichtet werden.

Weitere ältere Namensträger im Kirchspiel Kellinghusen.

Wieviele Probleme noch der Lösung harren und wie zahlreich die Möglichkeiten sind auch über die Kirchenbücher hinaus älterer Zeit der Familiengeschichte Stoff zu geben. Zeigt uns - um nur eine Möglichkeit herauszugreifen - das Schuld- und Pfandprotokoll der Vogtei Rostorf, das seit 1630 auf Schloß Breitenburg geführt wurde und das eine Art Vorläufer des heutigen Grundbuches darstellt. In ihm wurden die Schulden und Pfänder eingetragen, die auf einem Hof lasteten, aber auch der Verkauf der Höfe selber findet kurze Erwähnung und, wenn man Glück hat, manchmal auch die Familienverhältnisse des Verkäufers oder Erblassers. Leider ist aber das Schuld- und Pfandprotokoll vor allem in älterer Zeit recht lückenhaft. Es bürgerte sich nämlich erst im Laufe der Zeit, ein, die mit dem Hofe vorgenommenen Rechtsgeschäfte nach Breitenburg zu melden und dort gegen eine entsprechende Gebühr eintragen zu lassen.

Die in diesem in Schweinsleder gebundenen und dickleibigen Folianten enthaltenen Eintragungen über die Sippe Gloy. sind in kurzer Wiedergabe etwa folgende.

Marten Gloye ist Anno 1631 Bauernvogt in Lohbarbek.

Claus Gloyer (hier -ist ausnahmsweise die westliche Schreiform gebraucht worden) zu Rade bürgt zu Martini l642 für 100 Mark lübisch.

Johan Gloye, Bürger zu Itzehoe, leiht 1639 Geld an einen Hufner in Oeschebüttel.

Henneke Meser hat Gut nach der Kriegszeit (gemeint ist 1627) nebst der zu Fitzbek belegenen Hufe von seinem

Jürgen Gloye besitzt 1634 zu Rostorf eine Kate, die später seine Tochter Lencke, als sie sich mit Marx Meusfeld verheiratet, erbt.

Drewes Gloye besitzt gleichfalls dortselbst eine Katenstelle.

Tim Gloyen Kinder, deren Vormund Jürgen Gloye ist, leihen 1634 an Claus Wischmann zu Rade 100 Mark lübisch.

Anno 1651 gibt Jürgen Gloy 60 Mark lübisch und unterzeichnet den Vertrag mit einem Kreuz, seinem eigenhändigen Mark, wie der gräflidhe Gutsschreiber dabei vermerkt. Er wohnt über der Stör bei Rostorf.

Caspar Gloye kauft 1656 eine Kate zu Hollenbek, Detlev Gloye 1679 eine Katenstelle gleichfalls dortselbszt, die er jedoch schon nach drei Jahren wieder an Ties Runge weiterverkauf.

Hans Gloye kauft eine vorher in Konkurs gegangene Hufe am 1. Mai 1688 in Rade. Sein Sohn gleichen Vornamens erhält den Hof April 1720, dessen Sohn Hinrich wiederum den Hof am 19. August 1753. Während der Hof 1720 noch mit 600 Mark lübisch bezahlt wird, muß Hinrich Gloy 1753 seinem Vater das Doppelte, nämlich 1200 Mark lübschen Geldes geben. Und so steigert sich die Kaufsumme des noch heute im Besitz der Familie befindlichen und neben dem Rethwischer und Heiligenstedtener also dritten Stammhofes der Sippe Gloy von Erbteilung zu Erbteilung.

Geld- und Münzwesen früherer Zeiten.

Es wäre aber falsch, diese immer steigenden Kaufpreise nur aus einer Wertvergrößerang des Hofes durch verb verbesserte Bewirtschaftung, Ankauf neuer Koppeln, Vermehrung des Viehbestandes und sonstige Ameliorationen heraus zu erklären. Sicher haben auch diese Tatsachen zu einer Kaufpreiserhöhung bis in die jüngste Zeit beigetragen. Bei Vergleich der Preise in früheren Jahrhundertern mit denen der Jetztzeit darf man aber andererseits nicht vergessen, daß die Kaufkraft des Geldes früher bedeutend größer war.

Da diese Tatsache bei den späteren Behandlung der Familiengeschichte immer wieder zu berücksichtigen ist und Begriffe wie Mark lübisch, Schilling und Reichstaler dauernd wiederkehren, mögen hier einige Worte über das Geldwesen dazumalen gesagt sein.

Münzeinheit war bis in das 16. Jahrhundert die Mark lübisch, die in 16 Schillinge eingeteilt wurde. Ein Schilling zerfiel in 12 Pfennige. Der aus den Silberbergwerken des Harzes gewonnene und in Joachimstal geprägte Guldengroschen, kurz Joachimstaler, später Reichstaler und schließlich einfach Taler genannt, wurde 1622 auf 48 Schillinge. (I believe line is missing)

Jürgen Gloye besitzt 1634 zu Rostorf eine Kate, die später seine Tochter Lencke, als sie sich mit Marx Meusfeld verheiratet, erbt.

Drewes Gloye besitzt gleichfalls dortselbst eine Katenstelle.

Tim Gloyen Kinder, deren Vormund Jürgen Gloye ist, leihen 1634 an Claus Wischmann zu Rade 100 Mark lübisch.

Anno 1651 gibt Jürgen Gloy 60 Mark lübisch und unterzeichnet den Vertrag mit einem Kreuz, seinem eigenhändigen Mark, wie der gräflidhe Gutsschreiber dabei vermerkt. Er wohnt über der Stör bei Rostorf.

Caspar Gloye kauft 1656 eine Kate zu Hollenbek, Detlev Gloye 1679 eine Katenstelle gleichfalls dortselbszt, die er jedoch schon nach drei Jahren wieder an Ties Runge weiterverkauf.

Hans Gloye kauft eine vorher in Konkurs gegangene Hufe am 1. Mai 1688 in Rade. Sein Sohn gleichen Vornamens erhält den Hof April 1720, dessen Sohn Hinrich wiederum den Hof am 19. August 1753. Während der Hof 1720 noch mit 600 Mark lübisch bezahlt wird, muß Hinrich Gloy 1753 seinem Vater das Doppelte, nämlich 1200 Mark lübschen Geldes geben. Und so steigert sich die Kaufsumme des noch heute im Besitz der Familie befindlichen und neben dem Rethwischer und Heiligenstedtener also dritten Stammhofes der Sippe Gloy von Erbteilung zu Erbteilung.

Geld- und Münzwesen früherer Zeiten.

Es wäre aber falsch, diese immer steigenden Kaufpreise nur aus einer Wertvergrößerang des Hofes durch verb verbesserte Bewirtschaftung, Ankauf neuer Koppeln, Vermehrung des Viehbestandes und sonstige Ameliorationen heraus zu erklären. Sicher haben auch diese Tatsachen zu einer Kaufpreiserhöhung bis in die jüngste Zeit beigetragen. Bei Vergleich der Preise in früheren Jahrhundertern mit denen der Jetztzeit darf man aber andererseits nicht vergessen, daß die Kaufkraft des Geldes früher bedeutend größer war.

Da diese Tatsache bei den späteren Behandlung der Familiengeschichte immer wieder zu berücksichtigen ist und Begriffe wie Mark lübisch, Schilling und Reichstaler dauernd wiederkehren, mögen hier einige Worte über das Geldwesen dazumalen gesagt sein.

Münzeinheit war bis in das 16. Jahrhundert die Mark lübisch, die in 16 Schillinge eingeteilt wurde. Ein Schilling zerfiel in 12 Pfennige. Der aus den Silberbergwerken des Harzes gewonnene und in Joachimstal geprägte Guldengroschen, kurz Joachimstaler, später Reichstaler und schließlich einfach Taler genannt, wurde 1622 auf 48 Schillinge. (I believe line is missing.)

Was waren nun damals die Preise der üblichsten landwirtschaft lichen Artikel? Um 1600 kosten zwei Großochsen 20 mark Lübecker Währung (im nachfolgenden sei die Mark lübisch kurz mit ml und der Schilling mit ß bezeichnet) zwei Kühe 10 ml ein Schwein 1 ml 8 ß, ein Schaf 10 ß, eine Gans 3 ß, ein Huhn 1 ß. Denselben Preis von einem Schilling kosten 20 Eier. Eine Tonne Weizen oder Roggen kostet 2 ml, eine Tonne Hafer 12 ß, eine Tonne Buchweizen oder Gerste 1 ml 8 ß und eine Tonne Honig 16 ml. Der Preis eines Fuders Heu war 6 ß, der eines Fuders Holz 2 ß. Tausend Mauersteine kosteten 10 ml. Wenn nun mancher beim Lesen dieser Preise glaubt, daß unsere Vorfahren im Überfluß gelebt haben, wo doch ein Huhn nur den sechzehnten Teil einer Mark, also nach heutigen Begriffen etwas über sechs Pfennige gekostet hat, dem sei gesagt, daß der Tagelohn damals nur 6 ß, also etwa 37 Pfennig betrug.

Doch wieder zurück zur Sippe Gloy! Die in dem Breitenburger Schuld- und Pfandprotokoll aufgeführten Namensträger und die in den zahlreichen anderen Quellen der älteren Zeit enthaltenen Namen mit den in den ersten Kirchenbüchern genannten Mitgliedern der Sippe Gloy in Zusammenhang zu bringen und daraus den Stammbaum in seinen einzelnen Zweigen zusammenzubauen, dazu bedarf es einer ebenso eingehenden wie umfassenden Bearbeitung. Nur der schon auf dem ersten Familientag besprochen Weg, nämlich sämtliche in den Kirchenbüchern eines Kirchspiels enthaltenen und der Namen Gloy resp. Gloyer betreffenden Eintragungen im Wortlaut genau herauszuholen und erst dann zu versuchen, die einzelnen Familienzweige auszuarbeiten und mit den aus anderen Quellen erhaltenen Tatsachen zu verbinden, führt zu dem überhaupt möglichen besten und sichersten Ergebnis.

So müssen wir uns und vor allem den Kirchenbüchern zuwenden. Sie sind zwar durchaus nicht - wie gezeigt - die einzige Quelle der Familienforschung, eine Meinung, die weit verbreitet ist, im Gegenteil, die anderen Quellen sind an Menge bei weitem größer. Wohl aber sind die Kirchenbücher der Schlüssel und leider der einzige für die Sippenfor chung. Erst mit ihrer Hilfe kann man die verwirrende Fülle von Material sichten und ordnen.

Allgemeines über die Kirchenbücher.

Im Durchschnitt beginnt die Führung der Kirchenbücher in Holstein um 1650. Nur in wenigen Kirchspielen gehen die Eintragungen in eine bedeutend frühere Zeit zurück, so in Großenbrode am Fehmarn- (missing line ?) 1584 und das Heiratsregister 1586 angelegt worden ist. Krieg und Feuersbrünste haben jedoch manch schon vorhandenes Kirchenbuch in späterer Zeit wieder zerstört, sodaß z. B. in Stellau nach dein Brande des Pastorates die Kirchenbücher erst von 1706 an erhalten sind. In Hohenaspe stammen aus demselben Grunde die ältesten erhaltenen Kirchenbücher aus dem Jahre 1732.

Und da in älterer Zeit über die Führung der Kirchenbücher keine bindenden Vorschriften bestanden, blieb die Art der Eintragungen den einzelnen Pastoren überlassen. So sind denn die ersten Kirchenbücher ein Spiegel der Seele des jeweiligen Pastor loci.

In manchen lacht das Herz des Familienforschers über die Gründlichkeit und Liebe, mit der die Eintragungen vorgenommen worden sind. In anderen aber ist das Gegenteil der Fall und der Wert der Eintragungen recht problematischer Natur. Leider gehört zu diesen letzteren Kirchspielen auch Kellinghusen, mit dessen Darstellung als dem Kirchspiel, das die meisten Gloy Eintragungen enthält, begonnen werden soll.

Erst am 9. April 1763 wurde von König Friedrich V. Eine Verordnung herausgegeben die den Pastoren ganz genaue Verschriften über die Führung der Kirchenbücher macht. Von diesem Zeitpunkt an werden die Eintragungen - von – gelegentlichen Ausnahmen abgesehen - so brauchbar, daß ein Stammbaum ohne größere Schwierigkeiten zusammengebaut werden kann.

Wenn hier und im nachfolgenden von Kirchenbüchern die Rede ist, so sind hiermit nur die Kirchenbücher im engeren Sinne gemeint. Also die Kirchenbücher, deren Eintragungen auf das Kirchliche Leben der Gemeindemitglieder Bezug nehmen und bei denen die Kirche als Träger in von Amtshandlungen auftritt. Taufe, Heirat und Begräbnis sind die drei Daten, die auch in den ältesten Kirchenbücher fast immer verzeichnet sind. Vergebens sucht man dagegen nach der Mitteilung der Tage der Geburt und des Todes. Erst von 1763 an werden auch diese Daten mit in die Tauf- und Beerdigungseintragungen aufgenommen. Weiterhin enthalten die Kirchenbücher Eintragungen über die Konfirmation, die Aufbiegung der Verlobten von der Kanzel herab an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen und - meistens allerdings nur zahlenmäßig ohne Angabe der Namen - den Besuch des Abendmahls. Interessanter als diese letzteren Eintragungen sind die des Kirchenbußenregisters, des Deprecationsregisters, wie es damals hieß. Hier hören wir von den bösen Schandtaten der Familie.

Zu den Kirchenbüchern im weiteren Sinne gehören auch Grabbücher, Kirchenstuhlregister, Kirchenrechnungen und die der alten Propstei Münsterdorf besonders eigentümlichen sogenannten Missale, so bezeichnet nach den ursprünglichen Aufzeichnungen, die-man mangels Papier auf den freien Blättern des im gottesdienstlichen Gebrauch befindlicher Missalbuches machte. Diese mehr dem Rechnungswesen der Kirche dienenden Aufzeichnungen, die auch für die Familiengeschichte reiches Material enthalten, gehen oft bis in die Zeit vor der Reformation zurück.

Doch nun zum Kirchspiel Kellinghusen selber und seinen Eintragungen über die Familie Gloy.

Die Kirchenbücher in Kellinghusen.

Das älteste Taufregister in Kellinghusen beginnt mit dem Jahre 1643. Es ist nur ein schmales, in Pergament gebundenes Heftchen, dessen Eintragungen den Laien manchmal anmuten, als wären sie nicht von dem damals amtierenden Pastor Christian Druläus mit dem Gänsekiel geschrieben, sondern, als wäre das liebe Federvieh selber über das Papier gelaufen. Doch mit einiger Mühe liest man sich allmählich in die Schrift jener Zeit des ausgenenden dreißigjährigen Krieges ein und findet gleich zu Anfang die erste Gloy Eintragung "den 25 Martius (März) Hans gloie zu Rade sein Tocher", bald darauf "den 29 October Hans gloien zu Zerlehusen (Sarlhusen) Kind ". Und so folgt dann kurzen Abständen Gloy Eintragungen auf Gloy Eintragung. Sie alle zeigen, wie zahlreich schon, damals die Sippe war. Bin Beweis dafür, daß die Familie Gloy sicher schon in weit früherer Zeit in jener Gegend gesessen hat.

Ab 1647 werden in den Taufeintragungen auch der Name des Kindes und die Gevattern genannt. So lautet beispielsweise eine Eintragung vom 30 Maius (Mai) 1647 "Mechel Gloien Söhnlein. Lockstedt. gefattern Hans Homfeld Lockst. Peter Reder ibid (ebendaselbst) u. Hinrich Orts Tochter Fitzbek. N (Nomen = Name) Hans".

Trotz der Wortkargheit dieser älteren Eintragungen und trotz der Schwierigkeit, daß besonders in Rade und Lockstedt gleichzeitig mehrere Claus und Hans Gloys leben und ihre Kinder taufen lassen, ohne daß ein Unterscheidungsmerkmal angegeben ist, und daß man dann - wie Kreisbauernführer Claus Gloy schon auf dem ersten Familientag so treffend sagte - zwischen Clas sien Clas und Clas sien Clas fast nicht mehr hindurchfindet, geben uns die Namen der Gevattern mit einigem Fleiß noch Auskünfte über die Zusammenhänge der einzelnen Linien. ?ute bitte nämlich war es damals, bei den Knaben zwei Männer und eine Frau oder Jungfer und umgekehrt bei den Mädchen zwei Frauen und einen Mann als Gevattern zu nehmen. Zwar wurden diese Gevattern vorwiegend aus der Verwandtschaft genommen, erst in zweiter Linie aus der Freundschaft und Bekanntschaft des Dorfes oder der Nachbarschaft.

Erst ab 1698 wird der Name der Mutter des Täufling mit aufgeführt, sodaß dann keine so großen Schwierigkeiten bei dem Zusammenbau der einzelnen Taufeintragungen mehr bestehen.

Dafür aber ist das Sterberegister, das erst 1688 beginnt und in den nächsten dreißig Jahren auch nur bruchstückweise geführt worden ist, bis zum Jahre 1763, dem Jahre der königlichen Verordnung über die Führung der Kirchenbücher, sehr dürftig im Wortlaut und kaum zu gebrauchen. Meistens hat sich der Eintragende damit begnügt, die Toten eines Jahres ohne Angabe des genauen Datums etwa folgendermaßen aufzuführen "Jürgen Gloien Kind - Gloysche von Rade - alte Hans Gloy zu Fitzbek - Gloyen ältestes Kind zu Overndorff - Jasper Glöje aus Metzen uxor (Ehefrau) usw".

Da uns jedoch auch das Heiratsregister zur Verfügung steht, das mit dem Jahre 1671 beginnt und dessen erste Gloy Eintragung vom 11. Septembris des genannten Jahres "Jasper Gloi mit Fraw Lencke Normans" lautet, läßt sich trotz aller Hindernisse dennoch der Stammbaum der Sippe Gloy lückenlos aufstellen.

Gezeigt werden sollten jedoch einmal die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren und teilweise noch zu überwinden sind, wie überhaupt immer wieder allen, auch den fernerstehenden Familienmitgliedern diese Arbeit näher gebracht werden soll. Jedes Familienmitglied, nicht nur die engeren Mitarbeiter am Stammbaum, soll in die Arbeit hineinwachsen, die Familiengeschichte von Stufe zu Stufe entstehen sehen und geistigen Anteil daran gewinnen. Diesem Zwecke dient nicht zuletzt die geplante Herausgabe der Familienchronik in einzelnen Abschnitten.

Statistisches und Vornamen der Sippe Gloy im Kirchspiel Kellinghusen.

Die Gesamtzahl aller Gloy Eintragungen in den Tauf-, Heirat- und Sterberegistern beträgt von den genannten Anfangsjahren an bis zum Jahre 1870, dem Jahre, bis zu dem die Kirchenbücher durchgearbeitet worden sind und von dem an bis heute die weiteren Namen und Daten der Sippe zweckmäßigerweise von den lebenden Sippenmitgliedern selber erfragt werden solleng, die stattliche Summe von rund 1200. Hiermit dürfte wohl das Kirchspiel Kellinghusen vor allen anderen in Holstein bei weitem die meisten Gloy Eintragungen enthalten und mithin auch für die Geschichte der Sippe von besonderer Bedeutung sein.

Von diesen 1200 Gesamteintragungen entfallen 576 auf das Taufregister, 360 auf das Sterberegister und der Rest auf das Heiratsregister.

Interessant ist es, die 576 Taufeintragungen einmal genauer zu betrachten, nämlich die Zahl der Taufeintragungen für jeweils zehn Jahre festzustellen. Hierbei ergeben sich von

1643-49 10 Taufeintragungen 1760-69 38

1650-59 22 1770-79 26

1660-69 24 1780-89 26

1670-79 42 1790-99 20

1680-89 36 1800-09 16

1690-99 20 1810-19 l8

1700-09 29 1820-29 21

1710-19 39 1830-39 21

1720-29 30 1840-49 6

1730-39 24 1850-59 12

1740-49 41 1860-69 14

1750-59 41

Deutlich können wir sehen, wie die Geburtenziffer innerhalb der Gloy sippe von Kirchenbücher an zu einem Wellenberg in der Zeit von 1670 bis 1690 ansteigt, dann wieder fällt, um von 1710 bis 1720 einen zweiten Aufstieg zu nehmen, wiederum zu sinken und von 1740 bis 1770 den dritten und größten Wellenberg zu bilden. Diese Zeit um die Mitte des 18. Jahrhunderts dürfte wohl als überhaupt als die Blütezeit der Sippe im Kirchspeil Kellinghusen angesehen, werden. Fast in jeder Ortschaft des Kirchspiels sitzen damals Gloys auf Hufen und Katen, als Insten und Handwerker, in manchen Dorfschaften gleich zu einer halben Dutzend und mehr.

Wie kommt nun dieses regelmaßige aufsteigen und Absinken? Wiederum müssen wir auf einen guten alten holsteinischen Brauch zurück gehen. Nämlich den, daß der junge Bauernsohn mit dreißig Jahren den väterlichen Hof antrat, etwa ein halbes Jahr darauf freite und in den folgenden zehn, oft auch zwanzig und mehr Jahren fleißig für das Vorhandensein einer Nachkommenschaft sorgte, um mit sechzig Jahren wiederum den Hof an seinen nurmehr dreißig jährigen Erst geborenen abzugeben. Dieser und jetzt mit ihm seine Brüder heiraten und ein zweites Ansteigen der Gloy taufeintragungen beginnt.

Wenn wir andererseits bedenken, daß die Sippe Gloy wahrscheinlich schon einige Jahrhunderte vor Beginn der Kirchenbücher im Kirchspiel Kellinghusen seßhaft war, so ist trotz eines infolge der Länge der Zeit stattgehabten gewissen Ausgleichs dennoch dieses etwa alle dreißig bis vierzig Jahre stattfindende Auf und Ab klar zu erkennen.

Und noch ein zweites und wesentlich ernsteres Moment zeigt uns obige kleine Geburtenstatistik. Den Einbruch des Zeitalters von Industrie und Handel, des Liberalismus und der Proletarisierung. Während schon um 1800 ein starker Rückgang infolge Abwanderung nach Itzehoe und anderen benachbarten Kirchspielen stattfindet, beginnt um 1835 ganz stark die sogenannte Landflucht, der Zug in die Großstädte. Wie wir sehen, auch in der Familie Gloy. Sinkt doch von 1840 bis 1850 die Geburtenziffer auf ganze sechs Kinder. Welche Folgen diese Abwanderung von der alten Heimat gehabt hat, ist ein kulturelles Problem von größter Wichtigkeit, das hier nur angedeutet werden kann.

Wir sehen aber, Familiengeschichte, Heimatgeschichte und die Geschichte des großen gemeinsamen Vaterlandes, sie bilden eine untrennbare Einheit.

Und so sei es denn erlaubt, an dieser Stelle gleich noch eine weitere allgemeine und mehr kulturelle Betrachtung anzustellen, die über die Vornamen der Familie Gloy. In ihnen spiegelt sich, wenn auch im kleinen, ein Stückchen Kulturgeschichte wieder.

Die Vornamen der frühesten und vor 1500 lebenden Gloys sind uns bisher nicht bekannt. Sie haben sicher anders gelautet als die in den Kirchenbüchern so zahlreich genannten. Infolge der in Holstein ganz besonders späten und langsamen Christianisierung der Bevölkerung hielten sich hier die altsächsischen und friesischen Vornamen überaus lange. Erst spät beginnt die Beeinflussung der Kirche hinsichtlich der Vornamengebung. Ganz besonders wird es aber seit der Reformation Sitte, den Täuflingen Vornamen zu geben, die der Bibel oder der Kirchengeschichte entnommen sind.

Allerdings formt der Volksmund diese biblischen Namen nach seiner um. Aus Marcus wird Marx und Mars, aus Matheus Matthies, Thies und Tewes, aus Jacobus Jacob, aus Johannes Johann und Hans, aus St. Nicolaus Clawes und Claus, aus St. Georg Jürgen, aus St. Michael Mechel und Michel, aus Petrus Peter, aus Paulus das ältere Pawbell und das jüngere Paul. Besonders stark hat die niederdeutsche Zunge den Namen der heiligen Cäcilie verändert, finden wir doch die Formen Cicilia, Cecilie, Cilia., Cilie, Silke, Sile, Silja, Seia und Seua.

Eine Zusammenstellung aller Taufnamen der Gloy sippe im Kirchspiel Kellinghusen von 1643 bis 1870 ergibt bei den Knaben folgende Häufigkeit (die Häufigkeit der Vornamen 1643 bis 1700, also der älteren Zeit, zeigen, daß gerade die gebräuchlichsten Vornamen sich auch schon damals allgemeiner Beliebtheit erfreuten und von Generation zu Generation.

Hans 54 (16) mal Hartig 2 ( -)

Claus 38 (10) Ehler 2 ( -) Hinrich 22 ( 4) Fudolf 2 ( -) Jürgen 22 ( 8) Frenz 1 ( -)

Jasper 20 ( 6) Harm

Johann 16 ( 4) Daniel

Harder 13 ( 5) Friedrich

Carsten 11 ( -) Ratje (alle wie oben)

Detlev 9 ( 3) Timm

Jochin 8 ( 2) Ehler Harm

Michel 8 ( 6) Georg Christian

Peter 8 ( -) Jochim Hinrich

Henning 7 ( -) Johann Friedrich

Marx 6 ( 2) Johann Carl

Jacob 4 ( -) Claus Hinrich

Jens 4 ( -) Paul Christian

Paul 4 ( -) Hermann Friedrich

Tewes 3 ( 3) Hans Jürgen

Casper 3 ( 2) Peter Wilhelm

Christian 3 ( -) Johann Hinrich

Asmus 2 ( -)

Also Hans und Claas sind die spezifischen Vornamen, der Sippe Gloy. Sie und die drei folgenden machen mehr aus als alle weiteren während zusammengenommen.

Während es bis 1750 üblich ist, den Kindern nur einen Vornamen zu geben, finden wir zwischen 1750 und 1800 einen einen einzigen Fall eines Doppelnamens, nämlich Jochim Hinrich. Von 1800 an wird es dann, üblicher, den Kindern zwei, gelegentlich auch drei Vornamen zu geben. Im Gegensatz zu vielen anderen Sippen des, Kirchspiels Kellinghusen, in denen die Vornamengebung seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wahre Orgien feiert nicht nur in der Vielzahl der Vornamen, sondern auch in der geschmacklosen Auswahl und artfremden Beeinflussung derselben, bewahrt die Sippe Gloy ganz erstaunlich stark die Tradition der alten Vornamen der Familie.

Alte gute Sitte war es, dem erstgeborenen Sohne den Vornamen des Großvaters au geben. Der zweite Sohn erhielt den Vornamen des Großvaters Mütterlicherseits, der dritte und vierte Sohn den eines Bruders des Vaters oder der Mutter. Erst dann vielleicht gab man dem fünften oder sechsten Sohne den eigenen Vornamen. Ähnlich wurden die Vornamen der Mädchen gewählt. Eine Ausnahme fand nur dann statt, wenn keine Geschwister des Kindesvaters oder Mutter vorhanden waren. Dann nahm man Großonkels und Großtanten zu Hilfe, oder - wie es in den alten Büchern heißt - des Kindesvaters Vaters Bruder.

Hierbei war es, im Gegensatz zu heutiger Gepflogenheit, durchaus nicht notwendig, daß derjenige, dessen Vornamen das Kind erhielt, auch gleichzeitig bei diesem Gevatter stand. Für die Auswahl der Gevattern waren andere Gesichtspunkte maßgebend. Vor allem derjenige, daß die Gevattern bei einem unvermutet frühen Ableben der Eltern den Patenkindern mit tatkräftiger Hilfe beistehen könnten. So nahm man mit Vorliebe junge Brautleute in der Hoffnung, daß diese sich der jungen Waisen gegebenenfalls an elternstatt annehmen würden. Erst später und vornehmlich bei ärmeren und kinderreichen Familien wurden im Hinblick auf ein entsprechendes Patengeschenk angesehene Personen, die weder zur Verwandtschaft noch Freundschaft gehörten, als Paten herangezogen und ihnen zu Ehren das Kind benannt. So finden wir Friederica Louisa Amoena, Gräfin zu Rantzau auf Breitenburg, nicht nur namengebend für die Amoenenhöhe bei Itzehoe, sondern auch in einem Falle in der Familie Gloy.

Doch lassen wir die Zusammenstellung aller Taufnamen der Töchter der Sippe Gloy im Kirchspiel kellinghusen. folgen. Wir finden von 1643 bis 1870

Anna 36 (10) mal Anna Magdalena 2 ( -) mal

Gretje 32 ( 5) Anna Abel 1 ( -)

Trineke 30 ( 5) Anna Catharina

Abel 27 (12) Anna Gesche (alle wie oben)

Wiebcke 24 ( 7) Anna Dorothea

Elsche (Elsabe) 21 ( 4) Anna Wiebke Caltharina

Lencke (Magdalena) 20 ( 7) Catharina Dorothea

Stincke 11 ( 4) Catherina Margaretha

Engel 11 ( 2) Catharina Maria

Maricke 6 ( -) Catherina Louise Rudolfine

Anna Christina 6 ( -) Margarethna Elsabe

Gesche 5 ( 1) Margaretha Catharina

Idje (Ida) 4 ( -) Margareth Helene

Sielcke 3 ( 1) Maria Rebecca

Metje (Ketta) 2 ( -) Charlotte Margaretha

Lisbeth 2 ( 1) Friederica Louisa Amoena Becke 2 ( -) Johanna Margaretha

Anna Elsabe 2 ( -) Emma Helene

Anna Margaretha 2 ( -) Cäcilia Margaretha

Anna, Margaretha und Catharina und die mit ihnen gebildeten Zusammensetzungen sind also bei den Mädchen, besonders beliebt, aber auch Abel, Wiebcke, Elsabe und Magdalena. Zwei so prägnant hervortretende Gloy Vornamen wie Hans und Claus bei den Knaben finden wir jedoch nicht.

Auch wechselt die Schreibweise der Mädchennamen im Laufe der Zeit sehr. Aus Gretje und Gretche der älteren Zeit wird Greta und Margartha, aus Antje und Ancke wird Anna, aus Trincke und Trina Catharina, aus Maricke Maria, aus Stincke Christina, aus Lencke Magdalena, aus Silcke Cäcilia. Aus der ver plattdeutschten Form wird also wieder die ursprüngliche hochdeutsche.

Inhalt des nächsten Heftes.

Während in dieser ersten Veröffentlichung erst einmal der Rahmen sowohl für die Arbeit am Gloy Stammbaum im allgemeinen als auch für die Darstellung desselben im Kirchspiel Kellinghusen gegeben werd mußte, soll in der voraussichtlich zu Anfang April erscheinenden zweiter Veröffentlichung mit der Beschreibung der einzelnen Zweige der Gloy Sippe und ihrer Geschichte begonnen werden. Und zwar soll ver sucht werden,neben den Familienzweigen im Kirchspiel Kellinghusen auch schon die Heiligenstedtener und die Rethwischer Linie der Sippe also die Gloyers, in Angriff zu nehmen.

Hoffentlich liegen bis zum Erscheinen des zweiten Heftes auch der schon einige veröffentlichenswerte Anfragen oder Mitteilungen aus der Sippe heraus vor. Da jedes Familienmitglied hieran aktiven Anteil nehmen kann, beweist dem mir kürzlich von Karl Heinz Gloy aus Stade zugegangene Ausschnitt aus dem Stader Tageblatt. Er lautet

0tterndorf, 26 0ktober (1936). Am Sonntag würde die erneuerte Orgel geweiht und dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben. Die Orgel, die aus dem Jahre 1662 stammt, wurde 1741 von dem Orgelbauer Dietrich Christoph Gloyer in Stade umgebaut. Im 19. Jahrhundert erlitt sie dann mancherlei Zerstörungen, bis sie jetzt wieder erneuert werden konnte.

Wenn heute auch noch nichts weiter über diesen Orgelbauer Dietrich Christoph Gloyer bekannt ist, so ist dies dennoch eine Spur der nachzugeben es Aufgabe sein wird.

Und weiterhin ergeht folgende Bitte an alle Familienmitglich den, deren Erfüllung für den lückenlosen Zusammenbau des Stammbaumes wesentlich ist.

Angabe der Daten der eigenen Familie.

Wie schon gesagt, wird die systematische Bearbeitung der Kirchenbücher nur bis 1870 durchgeführt. Einmal aus der Erwägung heraus, daß alle jüngeren Daten von den heute lebenden Familienmitgliedern selber erfragt werden können, und zweitens, weil in den letzten Jahrzehnten eine so starke Abwanderung in alle Welt stattgefunden ha daß die heimatlichen Kirchenbücher kein befriedigendes Ergebnis mehr einem kleinen Teil am Stammbaum mitzuarbeiten durch Angabe dieser Daten von 1870 bis heute.

Ist ein Familienmitglied beispielsweise dreißig Jahre alt, also 1906 geboren, so genügt es nicht, wenn er die Namen und Daten seiner Frau und seiner Kinder neben den eigenen angibt, sondern wir brauchen auch die seiner Eltern und möglichst auch seiner Geschwister. Ist hierbei der Vater des Einsenders 1880 geboren, so ergibt sich die Notwendigkeit, auch noch die Daten oder zumindest die Namen der Großeltern väterlicherseits anzugeben, damit der Anschluß an die Kirchenbücher hergestellt werden kann.

An einem Beispiel mag gezeigt sein, welches Schema für jedes Ehepaar tunlichst einzuhalten ist:

1. Hans Hinrich Gloy (sämtliche Taufnamen, Rufnamen unterstreichen),

2. geboren am 2. Mai 1873 in Itzehoe,

3. gestorben am 27. Okt. 1932 in Altona,

4. Hofbesitzer, später Kornhändler (Beruf)

5. in Overndorf bei Kellinghusen (hauptsächlichster Wohnsitz),

6. verheiratet am 5. Mai 1900 in Glückstadt

7. mit Louise Alma Catharina Gravert,

8. diese geboren am 1. Aug. 1875 in Borsfleth bei Krempe,

9. lebt zur Zeit in Hamburg 4, Eimsbüttelerstr. 99.

Diese Angaben sind in entsprechender Weise für die Eltern, evtl, Großeltern, Kinder und Kindeskinder - auch für tot geborene oder früh verstorbene - anzufertigen. Bei allen heute noch lebenden Sippenmitgliedern wird gebeten, auch die genaue Adresse mitzuteilen, damit dort die weiteren und fehlenden Angaben eingeholt werden können. Hauptsache ist nämlich nicht, daß die erbetenen Angaben über den engeren Familienkreis lückenlos geliefert werden, sondern daß sie - soweit bekannt - möglichst bald eingehen.

Organisation und finanzielle Ausgestaltung der Sippe.

Die endgültige Organisation der Sippe kann und wird erst auf dem Familientag im Mai vorgenommen werden.

Schon jetzt jedoch sei mitgeteilt, daß Kreisbauernführer Claus Gloy in Lockstedt über Kellinghusen weiterhin die Repräsentation der Sippe auf Familientagen und nach außen hin als Nachkomme der Rader Stammlinie und kraft Persönlichkeit und Ansehen als gegebenes Oberhaupt der Familie vornehmen wird.

Die weitere Bearbeitung des Stammbaumes wird von dem Schreiber dieser Zeilen, Berthold Greve in Altona-Blankenese, Goßlers Park 8, wie schon seit etwa vier Jahren durchgeführt werden. Alle die Bearbeitung der Sippe angehenden Fragen und Zuschriften sind an die genannte Adresse zu richten.

Meinen bisherigen treuen Mitarbeitern sei an dieser Stelle herzlichste gedankt und dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß in Zukunft die Zahl derselben mit der Zahl aller Sippenmitglieder zusammenfallen möge.

Auf dem kommenden Familientage werden - ähnlich wie in Dithmarschen - für die einzelnen Linien der Sippe Rat- oder Obmänner gewählt werdeng die zusammen mit den Vor- und Nachgenannten dann jeweils die wichtigeren beraten sollen.

Das Amt eines Schatzmeisters und die Einrichtung eines Postscheckkontos für die Sippe hat Dr. Alex Gloy in Kiel übernommen.

Wenn nämlich bisher nicht nur die Bearbeitung, sondern auch fast dir gesamte Finanzierung von mir durchgeführt wurde, so ist es wohl selbstverständlich, daß in Zukunft die Aufbringung der Mittel durch die Sippe selbst geschieht. Und zwar soll folgende Regelung vergeschlagen werden.

Jedes Familienmitglied setzt nach freiem Ermessen einen vierteljährlichen Beitrag selber fest, der einerseits durch das Verständnis bestimmt wird. das es der Familienforschung entgegenbringt, und andererseits natürlich von seinen Vermögensverhältnissen abhängt. Um jedoch einen ungefähren Anhalt bei der Bemessung dieses Vierteljahresbeitrages zu geben, sei hier gesagt, daß ein solcher in Höhe von mindestens drei Reichsmark erforderlich ist, um die Forschung in der geplanten Weise überhaupt weiterführen zu können. Die Faktoren und Erwägungen. die zu dieser Summe - die manchem Familienmitglied vielleicht recht hoch erscheint, in Wirklichkeit aber die äußerste Grenze nach unten hin darstellt - geführt haben, sollen auf dem zweiten Familientag im Mai dargelegt werden.

Schon jetzt jedoch möge sich jedes Familienmitglied darüber klar sein, daß hiervon nicht nur die Veröffentlichung der Familienchronik und die kostenlose Zusendung derselben, sondern auch die Ausgestaltung des kommenden Familientages bestritten werden soll, auf dem unter anderem die Itzehoer Speeldeel ein plattdeutsches Theaterstuck zur Aufführung bringen wird. Von den weiteren Unkosten sei nur ihr Hauptfaktor, nämlich die bei der Arbeit am Stammtbaum in Kirchspielen und Archiven entstehenden Ausgaben verschiedenster Art, hier kurz angedeutet.

Der festen Erwartung darf daher wohl Ausdruck geneben werden, Verfügung stellen wird. Dahingegen dürften einige Familienmitglieder auch bei größtem Interesse an der Familiengeschichte durch Erwerbslosigkeit oder sonstige Gründe nicht in der Lage sein, auch bei bester Willen den genannten Mindestbeitrag aufzubringen. Ich bitte diese, mir unter kurzer Anführung der Gründe den für sie in Frage kommenden Beitrag mitzuteilen, da infolge der nicht gerade geringen Herstellungskosten jedes einzelnen Exemplares der Chronik eine unentgeltliche Zusendung der nächsten Hefte nicht erfolgen kann. Zweck und Ziel der ganzen Arbeit soll aber sein, möglichst jedem Familienmitglied die Kenntnis vor der Geschichte der Sippe zu übermitteln und zu vertiefen.

Von einer Ausführung der Chronik in Buchdruckverfahren ist Abstand genommen worden, da die dabei entstehenden Kosten völlig unerschwinglich wären. Um jedoch auch diesen vermittelst Vervielfältigungsapparat hergestellten späterhin einmal ein repräsentatives Aussehen zu verleihen. Ist eine Einbindung derselber in einem geschmackvollen Leineneinband als Buch vorgesehen.

Am Schlusse dieses ersten Heftes möchte ich den Herren Dr. Alex Gloy in Kiel, Johannes Gloyer in Birkensee, Carl Gloy und Heinrich Glöyer in Hamburg sowie Gebr. Gloyer in Altona für die Hilfe danken, die sie mir bei der Veröffentlichung desselben haben zuteil werden lassen.

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